Über Wolfgang Bötsch

Von Ralf Sziegoleit.

Hof — Er folge, wie fast jeder Maler, dem Unbewussten, sagt der Rehauer Wolfgang Bötsch, der jetzt in der Kleinen Klostergalerie der Diakonie Hochfranken 23 Arbeiten zeigt. Titel der Schau: "Laute innere Stimme".

Man spürt, dass hier Seelisches nach außen drängt. Eine Frau, die Bötsch vor zwei Jahren porträtierte, hat den Mund weit geöffnet zum Schrei. Dass seine Figuren überwiegend dem anderen Geschlecht angehören, erklärt der 43-Jährige damit, "dass ich die Frauen liebe"; dies, fügt er hinzu, sei viel einfacher, als sie zu verstehen. Aus der Phase einer Trennung stammen Bilder, die Risse und Brüche aufweisen. Sie seien durch das Unbewusste hineingekommen, sagt Bötsch. Die wesentlichen Inhalte seiner Pastellkreide-Zeichnungen aber hat der Sammler von Bildern und Texten unterschiedlichster Art — "von allem, was mich berührt" — sehr genau vorgeplant...

Zehn Jahre alt ist die Darstellung dreier junger Leute auf einer Bank: Hinterm Rücken des einen bahnt sich ein Betrug an, ein Liebesverrat. So unmissverständlich sind die Sachverhalte auf neueren Bildern nur im Ausnahmefall. Doch vermag Bötsch zu jedem Bild eine — oft sehr persönliche — klärende Geschichte zu erzählen. "Das Leben brennt": wie jemandem, unter Schmerzen, ein Licht übers eigene Versagen aufgeht. "In meinem wilden Herzen": Die Gefühle, die er nicht zeigen kann, lässt sich ein Mann auf die Brust tätowieren..

Fotorealistisch nennt der im Management einer Firma tätige Zeichner selbst seine Bilder, die er als Ausgleich zum Berufsleben, als Rückzug ins Private anfertigt. Tatsächlich steht deren magisch-poetische Wirklichkeit in der Tradition des Surrealismus. Beachtliche technische Fertigkeiten machen die überwiegend düster gestimmten Bildfindungen zum "Thema Mensch" sehens- und bedenkenswert. Bötsch wertet die Arbeiten als eine Art Voyeurismus, der am Nagel hängt. "Ich bin", sagt er, "extrovertiert genug, um mich mit Kunst selbst zu therapieren."